“Ich gehe spazieren. Bis gleich.”
“Warum?”
“Was, warum?”
“Warum gehst du spazieren?”
Während ich mir die Jacke anzog, dachte ich über seine Frage nach, fand keine Antwort, viel schlimmer noch: Ich wollte keine mehr finden.
Keine Antworten mehr finden müssen, auf Fragen, die unwichtig waren, die Grenzen setzten, die einsperrten, die mich nicht ließen.
Sein, wo ich war, ohne der Frage nachzugehen, warum oder wieso ich etwas wollte. Oder eben nicht.
In Gedanken hörte ich ihn schon sagen “Aber ich interessiere mich nun mal für dich.”
Gewonnen. Kurzfristig. Er.
Das war dieser k.o. Satz, dieser “Aber ich liebe dich doch” Satz, der, den so viele Menschen hören wollen.
Nur ich, ich wollte einfach nur spazieren gehen.
Ohne Frage, ohne Antwort.
Ich gab ihm keine Antwort, schloss die Tür hinter mir und ging.
Der Wind peitschte mir die Haare ins Gesicht, Hiebe, jede einzelne Strähne.
“Warum machst du das, warum machst du das so, warum nicht anders, wieso machst du jenes?”
Jede Strähne eine Frage. Keine Antworten.
Es ist mein Recht, zu machen, was ich will. Ich morde nicht, ich stehle nicht, ich bin einfach nur auf dieser Welt. Ich erlaube mir zu atmen, mein Ding zu machen, Fehler ohne Ende, nur leben. Es ist mein Recht, dass ich spazieren gehe, wann ich will, esse, was ich will. Es ist mein Recht, keine Antworten zu haben, keine finden zu wollen, nicht ständig hinterfragt zu werden. Es ist mein Recht, dass ich schweige, dass ich liebe oder gehe.
Und wenn du mich liebst, dann zwingst du mich nicht ständig, mir mein Recht zu erobern, zu erkämpfen oder zu erstreiten.
Mein Recht. Fertig. Ohne Punkt.