Erdbeerflecken Cover Klappentext:

»Schön, dass du auch hier bist!« Wenn Dämlichkeit übertroffen werden sollte, dann war ihm das mit diesem Satz gelungen.
Das wahre Leben.
Dort haben alle schöne Wände, keine Blutflecken, putzen sich zwei Mal am Tag die Zähne und es ist die bedeutungsloseste Tätigkeit des ganzen Tages. Wie glücklich diese Menschen sein müssen, die nicht denken! Eines Tages werde ich auch nicht mehr denken.

Erdbeerflecken:
12 Kurzgeschichten vom Leben, vom Suchen, von der Sehnsucht, vom Verlorensein, dem Tod und dem alltäglichen Wahn, anders zu sein. Oder eben auch nicht.

Die Autorin:
Mia Bernstein, Jahrgang 1970, lebt und arbeitet in Hamburg. »Gedankenscrabble« nennt sie selbst ihre Art zu schreiben. Es ist ein Spiel, Ergebnisse werden aufgeschrieben, gezählt werden nicht nur positive Verluste: »Erdbeerflecken«.
Cover & Illustrationen:
Michaela von Aichberger, Jahrgang 1967, lebt und arbeitet in Erlangen als freie Grafikdesignerin und Künstlerin.

Leseprobe:
Sie drehte sich nach rechts, schob den Stuhl zur Seite und legte die Füße hoch. Geschichte wurde am Frühstückstisch geschrieben, da war sie sicher. Hier stirbt sie, die Beziehung, die mal war. Der Frühstückstisch war das Grab, das Brötchen die Schaufel und die Grabrede hielt pünktlich zur vollen Stunde der Nachrichtensprecher im Radio. »Es ist neun Uhr, Sie hören die Nachrichten.«

Täglich sterben Beziehungen, alle am Frühstückstisch, wer sollte es wagen wollen, diese Wette anzunehmen? Früher riss er ihr die Sachen vom Körper, legte sie auf den Tisch und nahm sich, was er meinte, erworben zu haben. Die Marmelade wird auch nicht gefragt, ob sie verspeist werden möchte, Erdbeeren mit Zucker, die Vereinigung der Zutaten zu einer Substanz, die andere sich nehmen. Vorher muss erworben werden. Käuflich?! Wann war der Zeitpunkt, an dem er sie erworben hatte? In welchem Regal hatte sie gestanden, wie hoch war der Preis? Vergessen. Sie wollte damals so gewöhnlich sein wie Marmelade, wollte benutzt werden, so wie andere Marmeladen, gewöhnlich, täglich zu erwerben. Kein Mensch interessiert sich für die Erdbeeren, die gepflückt werden. Menschen gehen in den Supermarkt, stellen sich vor ein Regal, treffen eine Entscheidung und kaufen Marmelade. Der Wunsch nach Gewöhnlichkeit kam, weil ihr nie einer gesagt hatte, dass sie es war. Früher war sie ungewöhnlich und unglücklich.

Taschenbuch: 136 Seiten
Verlag: Klare Texte + Bilder; Auflage: 1 (Ende Oktober 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3980959953
ISBN-13: 978-3980959957

Wer ein signiertes Exemplar haben mag, kann dies über den Buchversand Wimbauer direkt hier bestellen.  Ansonsten Buchhändler des Vertrauens oder hier.

Von Mia, 14. Oktober 2009, 13:37 Uhr

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Bisher 14 Kommentare zum Artikel

  1. Kommentar von Mirko

    Hey Mia,

    deine hier veröffentlichte Leseprobe macht Lust auf mehr. Bin sehr gespannt auf dein Buch.

    Gruß Mirko

  2. Kommentar von Susi

    WOW!!!

  3. Kommentar von Raventhird

    Gewöhnlichkeit macht unglücklich. Auf Dauer definitiv. Was man oft erst dann wieder merkt, wenn man sie verscheucht oder sie von selbst verschwindet und man wieder auf dem Regenbogen tanzen darf.

  4. Kommentar von Barbarellalala

    Bin über Michaela (@Frauenfuss) zum Buch gekommen und ja, es scheint ganz nach meinem Geschmack. Werde es gleich mal bestellen…

  5. Kommentar von frauGpunkt

    Anders sein hat einen Reiz. Interessant wird es, wenn Pseudo-Individualisten tatsächlich auf Andersartige treffen. Dort wird Durchschnitt sichtbar.

    Treffende Leseprobe.

  6. Kommentar von etelka kovacs-koller

    das buch kam mit der post und fühlte sich leicht und geschmeidig an.
    ich dachte an eine ‘nebenbei’ lektüre; entspannend, witzig vielleicht ein wenig skurill.
    die überraschung kam gleich auf der ersten seite – mia bernstein geht den elementarsten fragen der menschlichen existenz in einer unvergleichlichen fähigkeit worte dort und so einzusetzen, wo sie wirken.
    es geht um tod, trauer, verzwifelung, ohnmacht – jedes wort im buch ein protestschrei gegen das *schwarze* in der welt.
    sie ist natürlich nicht die erste – epikur, leibnitz, die mitscherlichs und viele andere denker und philosophen haben bibliotheken füllende bücher über das *böse* in der welt verfasst.
    zu philosophie kann man abstand halten, zu “erdbeerflecken” nicht; es ist zu persönlich, zu intim und letzten endes wird jeder leserIn episoden finden, während derer die seele sagt; “ja, dass kenne ich auch!”
    solche bücher haben leider seltenheitswert in unserer hochglanzpolierten gesellschaft von massenhaft vielen “glücklichen” und “erfolgreichen” menschen, die scheinbar alle an ihrem lebensplatz angekommen sind.
    die “erdbeerflecken” lösen die sterilität der weissen tischdecken auf – wort für wort, bild für bild es menschelt mit einer ungewohnten offenheit und gnadenloser tiefe.
    es wird sicherlich polarisieren; manch einer wird voyeuristisch den buchstaben folgen, andere wieder einfach “nur” lesen.
    für diejenigen, die sich bewegen lassen, die die lücken zwischen den worten mit eigenen gefühlen auffüllen ist das buch eine reise zu den fundamenten des mensch-seins, die wir in unserer komfortablen welt so gerne verdrängen.
    das leben findet zwischen tiefstschwarz und hellstweiss mit allen zwischentönen statt – nur pastellfarben sind konturlose wölkchen, die schnell verpuffen – rot ist die farbe der leidenschaft, die farbe des blutes und die der erdbeerflecken.
    danke mia, dass du dieses buch geschrieben hast!

  7. Kommentar von Natali

    Erdbeerflecken

    Dieses Buch nimmt einen mit auf eine tolle Reise!

    Beginnend mit Interesse, schon gepaart mit Anmut aufgrund der schönen und sehr ansprechenden Umschlagsgestaltung, startete meine Reise; ich geriet dann immer schneller in einen faszinierenden Strudel aus Herzklopfen, Erwartung, Vorahnung, Lachen, Erstaunen, Betrauern…. , nur unterbrochen vom eigenen Innehalten, Luft holen (mitunter Luft schnappen oder lächelnd auspusten) im Geiste zergehen lassen und emotional einordnen…

    ..ferner traf mich auch ein Gefühl des “Ertappt seins”, mein Innerstes im Spiegel vors Bewußtsein gehalten bekommen…

    …. eine Reise, die mich und die ich mitgenommen habe …

    vielen Dank dafür!

    :)

  8. Kommentar von Mia

    Hallo Natali,
    vielen Dank auch für dein Foto
    http://twitpic.com/pzyik
    Viele Grüße
    Mia

  9. Kommentar von Some Mercy

    Das Wort Erdbeerflecken mehrmals in meiner Timeline gelesen. Ich weiß nicht was es war, dass mein Interesse weckte. Die Leseprobe ist es, die es mich kaum erwarten lässt, das Buch in meinen Händen zu halten.

  10. Kommentar von Mia

  11. Kommentar von Mia Bernstein

  12. Kommentar von Mia

  13. Kommentar von Mia

  14. Kommentar von Mia

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