Keine sagte so schön “Guten Tag” wie sie. Keine hatte so wunderschöne Haare, tolle braune Augen, so zierliche Füße. Nichts hatten wir gemeinsam, auch deshalb liebte ich sie. Sie sagte “Guten Tag” und ich war im Himmel. Ich nahm sie mit ins Bett, küsste ihre Stirn, gab ihr ein Stück meiner Decke. Wenn ich unter dem Bett lag, war sie dabei. Auch im Schrank, unter Omas Eckbank, im Keller. Ich gab ihr den Namen Olga, die Ur-Oma strickte ihr ein braunes Kleid mit Rüschen. Ich hasste Rüschen, für Olga waren sie perfekt.

Weil ich sie so liebte, nahm ich sie mit in die Badewanne. Die Technik in ihrem Bauch war damit zerstört, und meine Mutter war so zornig auf mich, dass sie sie mir wegnahm. Damit zerstörte sie noch viel mehr. Etwas, das wertvoller als jede Technik ist. Aber dazu hätte sie wissen müssen, was ein Kind für eine Puppe empfinden kann.

Viele Jahre später steht Olga immer noch für das, was damals fehlte.

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Von Mia, 27. März 2010, 15:14 Uhr

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Bisher 1 Kommentar zum Artikel

  1. Kommentar von Mellcolm

    Ich hatte (und habe) einen selbstgenähten Stoffaffen, den ich vor vielen Jahren von einer Tante, die schon längst verstorben ist, bekam. Ich war zwei, denke ich. Der Affe war nichts Besonderes. Seine Augen waren zwei kleine Knöpfe, seine Nase ein Größerer. Einen Mund hatte er nicht. Da ich mit meinem Affen überall hing ging, sah er mit der Zeit ziemlich mitgenommen aus, verlor eine Hand und hatte Löcher. Die Hand flickte die Oma mit einem alten Nachthemd, die Löcher bekam sie auch irgendwie in den Griff. Und dann hatte sie die glorreiche Idee, dem Affen statt des Nasenknopfes eine Nase zu sticken und einen roten Mund noch dazu. Als ich es sah bekam ich einen hysterischen Anfall und weinte so lange, bis sie ihm den Knopf wieder ins Gesicht nähte. Der Mund durfte bleiben – das war mein Kompromissangebot.

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