Text aus Erdbeerflecken
Je mehr ich über den Teig nachdachte, desto mehr wurde mir klar, dass einzelne Zutaten das Produkt komplett verändern können. Brezeln statt Schokoladenkuchen. Waren Lilien die falschen Blumen? Sollte ich einen neuen Herd kaufen? Die Temperatur kleiner stellen? Verbrannte Oberfläche, innen noch flüssig. Ohrfeige von links, der Druck am Hals nahm zu. Mein Magen würde gleich rebellieren, ich hätte nichts essen sollen, gleich würde es passieren. Weitere Flecken, auf Steinboden, immerhin.
Kein Salz.
Noch mehr Zucker.
Zwei Eier.
Wasser.
Er drückte mit seinen Händen weiter meinen Hals, sein Gewicht auf meinen Unterleib. Teigzutaten, selbst gewählt. Es ist Gewohnheit, es ist Faulheit, es ist Angst, es ist fehlender Mut, es ist dumm. Ich sollte neue Rezepte ausprobieren, mich trauen, andere Produkte wählen, neue Kuchensorten kreieren. Ich bin die Bäckerin, warum verbrennt mein Kuchen immer? Lilien können nicht in kleinen Vasen stehen, es sieht nicht gut aus, sie brauchen viel Platz. Große Vasen. Mehr davon! Mein Essen wollte meinen Magen verlassen, ich kämpfte und verlor. In meinem Mund war Quark, ich verschluckte mich, er drückte weiter zu, das weiße Zeug fand keinen Weg, ich wollte schlucken, hustete, bekam keine Luft, hustete weiter. War ich wirklich Bäckerin oder eine wiederkäuende Kuh, die ihr Dasein fristet? Keinen Kuchen, lieber Brot backen. Ab morgen!
Mehl.
Butter.
Zucker.
Es stank. Quark, Hass, Blut, Spucke, Tränen, ein seltenes Gemisch, Rezeptur unbekannt. Füll alles in eine Form, schieb sie in den Ofen, stell ihn auf höchste Temperatur. Ergebnis wieder unbekannt, Bäckerinnen brauchen Geduld.
Text aus Erdbeerflecken

Kommentar von Mia
#1 10. März 2010, 15:38 Uhr |
Weil ich danach eben gefragt wurde:
Von mir signierte Erdbeerflecken gibt es hier:
http://blog.mia-bernstein.de/signierte-erdbeerflecken/