geschenkEinem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul!

Geschenke bekommt man, man bedankt sich und hat hoffentlich Glück, dass der Schenkende den eigenen Geschmack getroffen hat. Wenn nicht, gibt es zwei Alternativen: Man behält es dennoch, Motivation egal, man gibt es zurück, weil man es nicht haben möchte, Gründe auch hierfür: Egal.

Und nun gibt es Menschen, die behaupten: Das Leben ist ein Geschenk. Wenn dem so ist, dann haben wir die Wahl, die sich von Zeit zu Zeit ändern kann:
1. Wir lieben es. Vom ersten Tag an, vielleicht. Immer mal wieder, ständig, oft, wie auch immer.

2. Wir hassen es. Es scheint vom ersten Atemzug eine Strafe, eine Qual, eine Folter. Wir fragen uns, was wir verbrochen haben, womit wir die Schläge verdient haben.

3. Ein Mix aus 1 und 2, was dazu führen kann, dass wir es erst hassen, dann lieben, aus dieser Haßliebe sich die große Liebe entwickelt oder umgekehrt.

4. Wir geben es zurück. Umtausch ausgeschlossen, oder? Selbstverständlich, finde ich, wir haben das Recht unser Leben zu beenden, nur umtauschen, das geht doch nicht. Oder doch? Im Selbstversuch testete ich vor einigen Jahren, wie es ist, sein Leben zurück zu geben. Es geht, teilweise. Es ist quasi so, als würde man den Rahmen behalten, aber das billige Schwarzweiß-Plakat gegen eine wunderbare Zeichnung von Picasso eintauschen.

Möglichkeit 5: Gibt es sie? Welche? Wer hat sie ausprobiert? Sind 1-4 unlogisch, gefangen im eigenen Geschenkband? Fragen über Fragen…


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Von Mia, 10. April 2010, 17:24 Uhr

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Bisher 8 Kommentare zum Artikel

  1. Kommentar von Bastian

    Ich habe eine Frage zu 4.: wie hast Du Dein Leben umgetauscht, den Rahmen behalten und das Schwarzweißplakat gegen eine bunte Zeichnung eingetauscht?

    Darüber würde ich auch gerne einen Blogbeitrag lesen wollen, einen gaaanz langen! ;)

    Gruß,
    Bastian

  2. Kommentar von Tino

    Möglichkeit 5: Wir hören auf, leidend darüber nachzudenken und hören auf, skeptisch die Geschenke des nächsten Tages zu erwarten. Denn: Unausweichlich endet irgendwann die Zeit, und damit verenden auch die ungewollten Gäule aller Zeiten. Sie entsorgen sich von allein, es wird sie quasi nie gegeben haben. Im schlimmsten Fall bleibt für unser Gefühl eine Nullrunde, wenn wir hingehen, woher wir damals kamen. Und dort war’s doch auch nicht schlecht, oder? Und falls doch, so weiß ich nichts mehr darüber, was ein Beleg dafür ist, daß ich Recht haben muß. Die Zeit arbeitet für uns, sie kann gar nicht anders. Denn wir haben nichts zu fürchten. Wenn wir das also wissen, sollte es uns deutlich leichter fallen, die Gäule zu ignorieren und der Freude auf den Straßen zu uns ganz bewußt breite Fahrstreifen zu reservieren. Um dieses Wissen zu erlangen, braucht es allerdings zuerst ein paar Gäule.

  3. Kommentar von Lukas Drahnen

    Ach herrje! Man setzt sich einfach drauf auf den geschenkten Gaul und reitet ihn, bis er zusammenbricht. Die Kunst ist, sich nicht abwerfen zu lassen. Vielleicht wird auch eine Freundschaft draus.

    Aber auch ein geschenkter Gaul will gefüttert werden. Das Leben braucht Futter, um zu laufen.

    Fütterst Du Dein Leben? Mach es, sonst frisst es Dich.

    Cheers
    Lukas

  4. Kommentar von creamhilled

    1 und 2 fließen in den meisten Fällen in 3 zusammen; selten, daß das Leben nur geliebt oder nur gehaßt wird.

    Umtauschen? Vielleicht so:
    Zum Glück hat das Leben nicht nur einen Gaul für uns – also einfach mal das Roß wechseln, wenn der alte Klepper nicht mehr spurt oder zum Arsch paßt. Oder das Bild im Rahmen wechseln… jeder findet sicher selbst den Vergleich, der ihm entspricht.

    Will sagen: Man kann dem Leben immer und zu jeder Zeit und in jedem Alter eine neue Richtung geben. Aber das verlangt meist größere Anstrengungen, als wir zu unternehmen gewillt sind.

    Also doch kein 5, nur 4., etwas prosaischer formuliert.

  5. Kommentar von Schlotterbeck

    “Den Rahmen behalten, aber das billige Schwarzweiß-Plakat gegen eine wunderbare Zeichnung von Picasso eintauschen.”
    Gute Idee. Gefällt mir sehr :)

    Die kleine Bühne war mir nicht unbekannt und so probierte ich eines Tages folgendes aus:

    Wenn mein Leben wie …ein Film… ist, dann bin ich ab sofort der Regisseur. Ich ging ins Kino, setzte mich in die letzte Reihe, guckte auf die Leinwand und ließ meinen eigenen Film ablaufen, spulte gelegentlich vor und wieder zurück, und wiederholte die Szenen so lange, bis zum …
    Am Film-Ende angekommen kroch ich dann in die Leinwand und spielte “die Rolle(n) meines Lebens.”
    … Alles das, was ich zuvor auf der Leinwand beobachtete, als Zuschauer gesehen und gefühlt, durchlebt hatte, machte ich jetzt als Schauspielerin anders und besser, gemäß meiner Regieanweisungen. Mal war ich die Mutter, die ihr Kind,… dann war ich der Vater, der nicht,… usw.
    In meinem Film erlaubte ich mir alles zu tun und bemerkte dabei auch, wie weit ich gehen würde, oder auch nicht. Erstaunlich war: ich konnte nichts und niemanden verletzen, im Gegenteil, mal nahm ich sie bei der Hand, oder gab ihnen, was sie selbst nicht geben konnten, oder ließ etwas verbiegen, zerfließen, oder wiederholte/veränderte die Szene, mit einem anderen Ausgang. Usw.
    Was ist “Realität”? Die Figuren haben sich bis heute nicht geändert und sie werden es auch nicht. Punkt. Sie leben ihr Leben, und ich lebe voll und ganz mein eigenes, in Frieden. Punkt.
    Welche “Realität” löste diese Art des Filmemachens aus? Ganz einfach: Das kleine Kind, einst gewesen, lebte weiter, war nie tot, nur getrennt vom Großen und konnte nur durch das Große (erwachsene Kind) geheilt werden; in dem das Große das Kleine in sich integrierte, wurden: beide geheilt.
    Doch damit nicht genug, denn nochmals Jahre später gab es einen weiteren Film, von mir, diesmal aber, rauschte er einfach so an mir vorbei, und ich erlebte in diesem Moment einfach nur: unbeschreiblichES schönes, das bis heute anhält – was für ein Geschenk, auch das geschenkt bekommen zu haben, in diesem “Mein-Leben”.

    Hihi: fehlt nur noch die Villa. Kunterbunt. Mit 11 Kindern – reicht doch – für eine Fußballmannschaft. ;) “Film ab, bitte!” :)

  6. Kommentar von Metapher

    Einige amorphe Hinblicke.
    Ob es Antworten sind, weiß ich nicht.

    1. Ob geschenkt oder nicht geschenkt – vielleicht gleichgültig?
    Es ist da.
    Wir sind da. So oder so.
    Dasein. Hier und Jetzt. So oder so.
    Das Dasein zur Wirklichkeit bringen.
    Gegenseitig.
    Miteinander.

    2. Woher wollen wir so sicher sein, daß wir sterblich sind?

    3. Ein alter Meister aus China wies darauf hin:
    häßlich gibt es, weil es schön gibt.
    traurig gibt es, weil es glücklich gibt.
    arm gibt es, weil es reich gibt
    dunkel gibt es, weil es hell gibt

    Und ein anderer:
    Wenn es dir zu kalt ist, oder wenn es dir zu warm ist:
    Geh dahin, wo es weder warm noch kalt gibt.

    4.
    Alles geben die Götter, die unendlichen,
    Ihren Lieblingen ganz,
    Alle Freuden, die unendlichen,
    Alle Schmerzen, die unendlichen, ganz.

    [Goethe]

    5. Gedankengang.
    Mitten im Gewitter ging ihr Gespräch vor sich.
    Der Eine: “Wenn uns der Blitz nun trifft, sind wir tot”
    Der Andere: “Ja. Aber mehr auch nicht”

  7. Kommentar von Olaf Doschke

    Nur den Rahmen behalten? Hm. Sicherlich kann man sich ein ganz neues Lebensbild schaffen, aber der “Rahmen” schlägt tiefe Wurzeln.

    Nicht umsonst gibt es neben den “Aussteigern” auch die “Rückkehrer”. Nicht nur in Sachen Auswanderung und im Fernsehen gilt, daß man so manches nicht einfach abschütteln kann, es holt einen wieder ein.

    Es ist oft das schwierigste, die eigenen Probleme anzugehen, oder gar um Hilfe zu bitten. Oftmals starrt man nur drauf, und so werden sie nur immer größer und unlösbarer. Stattdessen kann man sich einerseits auf positives konzentrieren und es ausbauen, anderes folgt dann manchmal von selbst. Oder man geht Probleme eben an, man muß ja nicht gleich mit den größten anfangen.

  8. Kommentar von vicky

    Meiner Meinung nach ist da ein Denkfehler im Beitrag. Schließlich kann ich ein Geschenk “für immer” behalten – egal ob schön oder hässlich. Das Leben ist eher ein Gutschein, der nach einer UNGEWISSEN Zeit verfällt. Und dann auch noch ein Gutschein – nicht nur für ein Buch, oder etwas bestimmtes – nein – eher ein Gutschein für so ziemlich alles was man möchte. Kann man denn so ein Geschenk schlecht finden? Klar, man kann damit etwas hässliches kaufen, aber dann ist man selber Schuld :/ Man kann diesen Gutschein auch links liegen lassen und sich von anderen Dingen ablenken lassen aber dann riskiert man, dass er verfällt und dann ist man ebenfalls selbst Schuld :)

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